Diskussionsforum am GSG mit zwei Bundestagsabgeordneten

Interaktiv: Jugendliche beantworten zusammen mit Konrad Stockmeier (M.) und Melis Sekmen eine Entweder-oder-Frage. Matthias Rüb moderiert. © Christoph Blüthner

Jugendliche am Scholl-Gymnasium fragen Mannheims Bundestagsabgeordnete: „Wie ist Olaf Scholz eigentlich so?"

Mannheimer Morgen Plus-Artikel vom 30. Mai 2022

von Sebastian Koch

Schüler-Diskussion - Die Bundestagsabgeordneten Melis Sekmen und Konrad Stockmeier stellen sich am Scholl-Gymnasium Fragen von Jugendlichen – das Format überzeugt

Mannheim. Bundeskanzler Konrad Stockmeier oder sogar Bundespräsident Konrad Stockmeier? Der Mannheimer Bundestagsabgeordnete muss überlegen, als er im Geschwister-Scholl-Gymnasium seine möglichen Pläne offenlegen soll. „Das Schloss Bellevue ist schon ganz schick“, sagt der FDP-Politiker schließlich mit einem Lachen. „Und im Kanzleramt gab es ja schon mal einen Konrad.“

Zusammen mit seiner Kollegin Melis Sekmen von den Grünen sitzt der Liberale auf der Bühne im Forum des Scholl-Gymnasiums: Jugendliche der elften und zwölften Klassenstufe hatten beide im Rahmen der AG „Politik und Debatte“ eingeladen, nachdem im September bei einer Schülerwahl an dem Gymnasium Sekmen die meisten Erststimmen (Stockmeier die zweitmeisten) und die Grünen die meisten Zweitstimmen (vor der FDP) auf sich vereint hatten. Das Ergebnis spiegelt sich auch an diesem Abend im Saal wieder: Der ist bis auf den letzten Platz besetzt, das Interesse an den Abgeordneten scheint groß zu sein.

Zwischen heiter und ernsthaft

Hanna Flüchter, Matthias Rüb und Theresa Fretz, alle aus der Jahrgangsstufe 12, führen durch den Abend – und bringen ihre Gäste mit Entweder-oder-Fragen oder politischen und persönlichen Fragen das eine oder andere Mal ins Grübeln. Wie ist Olaf Scholz eigentlich so, fragen die Drei. Schweigen. Sekmen lacht. Stockmeier überlässt – ganz präsidial – der Kollegin den Vortritt. „Er ist … sehr trocken. Sehr trocken“, antwortet Sekmen. Stockmeier ergänzt: „Man sollte ihn aber nicht unterschätzen, auch wenn ich mir wünsche, dass er deutlicher kommunizieren würde.“

Innovativ, gut vorbereitet und auch immer wieder unter Einbeziehung des Publikums nähern sich Fretz, Rüb und Flüchter ihren Gästen. So erfahren die Zuhörerinnen und Zuhörer nicht nur vieles über das Leben und die Aufgaben der Abgeordneten, sondern hören auch, welche Positionen Sekmen und Stockmeier vertreten. Trotz gemeinsamer Ampel-Koalition sind die nicht immer deckungsgleich, etwa bei der Frage nach einem Tempolimit. Die Themenblöcke – Klima, Krieg gegen die Ukraine und Digitalisierung – werden durch Fragerunden voneinander getrennt, in denen das Publikum spielend miteinbezogen wird. Das sorgt für Auflockerung, Lacher und auch offensichtlich gute Laune bei den Gästen.

Allerdings soll das nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Diskussion ernste Passagen hat. 16 Jugendliche aus der Ukraine lernen seit Ausbruch des Kriegs an der Schule, erklärt Fretz. Wie gelingt eine nachhaltige Integration der Geflüchteten, will Rüb deshalb wissen. „Mannheim ist Integration gewohnt und kann Integration gut“, sagt Sekmen und regt an, bereits bestehende Integrationsangebote, wie Sprachkurse, und Integrationsstrukturen, etwa ein ausreichendes Angebot an Wohnungen, zu pflegen und zu erweitern. „Wir sind in der Pflicht, Geflüchteten Perspektiven zu geben.“

Stockmeier berichtet von „bedrückenden Gesprächen mit Geflüchteten“, die seinen Arbeitsalltag seit Ende Februar prägen. Der FDP-Politiker erklärt, dass durch den Zustrom an Schutzsuchenden auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung vor „gewaltigen Herausforderungen“ stünden. „Der eine oder andere Vorgang im verwaltungstechnischen Kleinklein muss aber auch effizienter und pragmatischer gestaltet werden“, sagt der Liberale und betont, dass daran auch Landes- und Bundesgesetzgebung ihren Anteil hätten.

In einer offenen Runde haben Jugendliche aus dem Publikum zum Ende hin die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Ob es die Beiden mal bereut haben, Politikerin oder Politiker geworden zu sein, will eine Schülerin wissen. Das verneint Sekmen zwar, erzählt aber von schwierigen Wahlkampfveranstaltungen auf der Straße und der zunehmenden Aggressivität gegenüber Politikerinnen und Politikern. Stockmeier muss indes seine Haltung gegen ein Tempolimit verteidigen. Und wann wird eigentlich Cannabis endlich legalisiert? Stockmeier: „Möglichst bald.“

Vorbereitungen bis in die Nacht

In der Diskussion zeigen sich aber Spannungen, die ganz offenbar auch junge Menschen beschäftigen. So beklagen zwei Schüler im unterschiedlichen Umgang mit Geflüchteten aus dem Jahr 2015 und denen aus der Ukraine ein Rassismusproblem. Beide Male folgt Applaus. Während Sekmen klarstellt, dass es „keine Geflüchteten erster und zweiter Klasse gibt“, erklärt Stockmeier: „Der Gedanke, Menschen, die wegen Terror und Krieg fliehen, mit Terroristen in eine Schublade zu stecken, ist absurd.“ Um Rassismus etwas zu entgegnen, brauche es Politik. „Dieser Kampf wird nicht enden, aber Melis und ich bleiben dran“, verspricht er.

Viele Monate habe die AG auf den Abend hingearbeitet – im Abistress und auch nicht immer in regulären Arbeitszeiten. „Ich habe sogar noch nachts Nachrichten von den Schülerinnen und Schülern bekommen“, erzählt eine stolze Lehrerin und AG-Leiterin Stefanie Pins am Ende der Veranstaltung, die sowohl wegen des Formats als auch wegen ihrer Kontroversen positiv auffällt. Die vielen Überstunden haben sich gelohnt. Eine Fortsetzung des Formats hätte ihren Reiz.

 

Quelle: https://www.mannheimer-morgen.de/orte/mannheim_artikel,-mannheim-jugendliche-am-scholl-gymnasium-fragen-mannheims-bundestagsabgeordnete-wie-ist-olaf-scholz-_arid,1956626.html (Zugriff: 18.06.2022)

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